Helmut Vorschtz 2 Welle

Interview mit unserem Chorleiter Helmut Vorschütz

1.Singen macht glücklich! Stimmt das aus deiner Erfahrung?

Ich weiß aus der Vielzahl Sänger und Sängerinnen, dass es total entspannt und dass leidenschaftliche Chormitglieder nie missmutig sind. Der Musiktherapeut Wolfgang Bossinger belegt in seinem Buch „Die heilende Kraft des Singens", dass Singen ein Antidepressivum ist, das Selbstwertgefühl stärkt und soziale und kreative Kompetenzen fördert. Singen stärkt auch das Immunsystem.

2. Wie bist du zur Musik gekommen?

Ja, das war kurios. Ich war damals im 4 Schuljahr. In meinem Heimatort Essen machte der Leiter einer „Musiksonderklasse" Werbung für 1 Nachmittag Musikunterricht (Mittwoch), er sei dann hausaufgabenfrei. „Hausaufgabenfrei", ja – das war prima, also ging ich dort hin. Blockflötenunterricht, Rhythmik, Chor, alles haben wir gemacht, später auch Klavierunterricht. Allerdings hatte mich zeitlebens immer fasziniert, wie man in der Kirche mit den Füßen Orgel spielen konnte, also fing ich mit 14 Jahren an, Orgel zu spielen. Dann lernte ich etwas Vernünftiges, nämlich Bankkaufmann. Nebenher hatte ich immer noch Orgelunterricht und spielte ganz viel in der Kirche. Mein Lehrer meinte, ich solle Musik studieren – und ich tat es.

3. Wie kamst du zur Liedertafel?

Ach, das ist alles schon so lange her! Mich rief der Vorsitzende eines Männerchores aus Worms-Pfiffligheim an, er suche einen Chorleiter. Wir vereinbarten eine Vorstellungsprobe. Es war gutes Material, ich war der Meinung, der Chor sei ausbaufähig, habe ein gutes Stimmenmaterial. Na, mittlerweile sind es mehr als 15 erfolgreiche Jahre.

4. Wie würdest du den Stil des Männerchors der Liedertafel und von JazzAffair beschreiben?

Beide haben ein weit gefächertes Repertoire. Es ist ja so: In einem Konzert sollte sich jeder Zuhörer mindestens einmal mit einem Stück wiederfinden. Die Zuhörerschaft ist sehr oft 10 Jahre bis 85 und älter.

5. Was macht dir an deiner Chorleitertätigkeit den meisten Spaß?

Der Umgang mit den unterschiedlichen Sängerinnen und Sänger, von 6 – fast 80 Jahren. Darüber hinaus die Tatsache, dass man Laien – wenn sie den wollen – zu Höchstleistungen bringen kann. Ich habe schon viele Projekte mit über 300 Sängerinnen auf einmal gemacht: Krönungsmesse, Charpentier Te Deum, Carmina burana, Maske in Blau usw.

Was mir auch viel Spaß macht, sind Workshops an Wochenenden. Viele Kolleginnen und Kollegen sind sehr dankbar, wenn man mal zeigt, wie man Proben anders gestalten könnte und welche neue Chorliteratur auf dem Markt ist.

6. Wie würdest du dir "deinen" Chor aussuchen in dem du selbst singen möchtest?

Vielseitiges Repertoire müsste er haben und ich müsste mich wohlfühlen. Leider sind in vielen Chören zu viele notorische Nörgeler, die würden mich glatt verjagen. Sozialen Frieden muss man lernen. Singen hat nämlich ganz viel mit Solidarität und mit Emotionen zu tun.

7. Was müsste sich ändern, damit mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene gefallen am Chorgesang finden?

In Punkt 6 sprach ich schon über die Harmonie in den Chören. Ich denke, es ist oftmals sehr personenbezogen. Vorstand und Chorleiter müssen eine Einheit bilden und sich klar sein, was sie wollen. Leider leben viele Chöre noch in der Vergangenheit, als sie noch 100 Mann waren. Die Masse macht es nicht, sondern vielmehr die Vielseitigkeit im Repertoire. Ich fing im Jahr 2000 mit einem Projektchor an. Ihm gehören mittlerweile über 105 Chorsänger an, nach jedem Konzert kamen wieder neue Sängerinnen und Sänger dazu – auch Männer!!!

Kinder und Jugendliche ist ein beliebtes Thema. Leider ist dies eine spezielle Sparte der Ausbildung von Chorleitern, die an den Hochschulen nicht vorkommt. Der Chorverband Rheinland Pfalz widmet sich seit Jahren der Aufgabe, Chorleiter/innen zusätzlich fort zu bilden. – Aber, dass Kinder und Jugendliche nicht singen wollen, stimmt nicht. Ich leite einen Kinder- u. Jugendchor mit über 160 Teilnehmern.

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